Paul Lendvai ist ein österreichischer Journalist, Publizist und Autor ungarischer Herkunft. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich vor allem mit Österreich, Ungarn sowie der politischen Entwicklung Mittel- und Osteuropas.
Sein eigenes Leben ist eng mit der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts verbunden. Lendvai überlebte die Verfolgung der ungarischen Juden, erlebte den Kommunismus in Ungarn und floh nach dem Volksaufstand von 1956 nach Österreich. Später wurde er unter anderem Korrespondent der Financial Times und ein bekanntes Gesicht des ORF.
Wer ist Paul Lendvai?
Paul Lendvai wurde am 24. August 1929 in Budapest geboren. Er studierte nach dem Zweiten Weltkrieg Rechtswissenschaften und begann früh als Journalist zu arbeiten.
Seit 1957 lebt er in Österreich. 1959 erhielt er die österreichische Staatsbürgerschaft. Der ORF bezeichnet ihn als langjährigen Osteuropa-Experten. Auch nach seinem Abschied von der regelmäßigen Moderation des „Europastudios“ im April 2024 blieb er als Experte in ORF-Sendungen präsent.
| Information | Details |
|---|---|
| Name | Paul Lendvai |
| Geburtsdatum | 24. August 1929 |
| Geburtsort | Budapest, Ungarn |
| Beruf | Journalist, Publizist und Autor |
| Staatsbürgerschaft | Österreichisch |
| Bekannt für | Analysen zu Mittel- und Osteuropa |
| Langjährige Medien | ORF, Financial Times, Der Standard |
| Aktuelles Buch | Wer bin ich? Über die Identität |
Wie alt ist Paul Lendvai?
Paul Lendvai wurde 1929 geboren und ist im September 2026 97 Jahre alt. Er tritt weiterhin öffentlich als Autor, Zeitzeuge und politischer Kommentator auf.
Paul Lendvais Kindheit und Jugend in Ungarn
Lendvai wurde als Sohn jüdischer Eltern in Budapest geboren. Seine Jugend fiel in eine Zeit, in der Ungarn zunehmend von Krieg, Antisemitismus und Verfolgung geprägt war.
1944 wurden der damals 15-jährige Paul Lendvai und sein Vater verschleppt. Beide konnten überleben. Nach Angaben von Ö1 spielte dabei auch ein Schweizer Schutzpass eine wichtige Rolle.
Paul Lendvai unter dem kommunistischen Regime
Nach dem Krieg studierte Lendvai Jura und schrieb für sozialdemokratische Zeitungen. Mit der kommunistischen Machtübernahme verschärften sich die politischen Bedingungen.
1953 wurde er als politisch unzuverlässig eingestuft, verhaftet und acht Monate interniert. Danach erhielt er für drei Jahre ein Berufsverbot. Diese Erfahrungen mit politischer Kontrolle und Zensur beeinflussten später auch sein Verständnis von unabhängigem Journalismus.
Warum floh Paul Lendvai nach Österreich?
Nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstands von 1956 verließ Paul Lendvai Ungarn. Über Prag und Warschau gelangte er 1957 nach Wien.
Dort begann er seine journalistische Laufbahn praktisch neu. Zunächst übersetzte er ungarische Nachrichten für westliche Korrespondenten. Später schrieb er unter anderem für die Neue Zürcher Zeitung, Die Presse und United Press International.
Wie begann Paul Lendvais Karriere in Wien?
Seine genaue Kenntnis Ungarns und anderer osteuropäischer Staaten machte Lendvai für westliche Medien interessant. In einer Zeit, in der Informationen aus kommunistisch regierten Staaten schwer zugänglich waren, entwickelte er sich zu einem gefragten Osteuropa-Kenner.
1960 begann er für die britische Financial Times zu arbeiten. Dort blieb er bis 1987 als Korrespondent tätig.
Paul Lendvai bei Financial Times und ORF
Ein wichtiger Teil von Paul Lendvais Karriere war seine jahrzehntelange Arbeit für internationale und österreichische Medien.
1973 gründete er die Zeitschrift Europäische Rundschau. Sie beschäftigte sich mit Politik und internationalen Entwicklungen und erschien bis 2020.
1982 wechselte Lendvai zum ORF und übernahm zunächst die Leitung der Osteuropa-Redaktion. Später wurde er Intendant von Radio Österreich International. Außerdem war er viele Jahre mit dem ORF-„Europastudio“ verbunden.
Was bedeutet Journalismus für Paul Lendvai?
In Interviews betonte Lendvai immer wieder die Bedeutung journalistischer Unabhängigkeit. Seine Erfahrungen mit Zensur und politischer Verfolgung in Ungarn bilden dabei einen wichtigen Hintergrund.
Für ihn gehören eine klare Trennung von Nachricht und Meinung sowie politische Unabhängigkeit zu den Grundlagen guten Journalismus.
Paul Lendvai über Ungarn, Viktor Orbán und Europa
Ungarn blieb während Paul Lendvais gesamter Karriere ein zentrales Thema. Er beobachtete sowohl das kommunistische System als auch den politischen Wandel nach 1989.
Besonders kritisch beschäftigt er sich mit der Entwicklung Ungarns unter Viktor Orbán. In seinem Buch Orbáns Ungarn analysierte Lendvai den politischen Aufstieg Orbáns sowie Veränderungen bei Staat, Medien und politischen Institutionen.
Paul Lendvai und Nationalismus
Lendvai warnt seit Jahren vor wachsendem Nationalismus und einer Schwächung demokratischer Werte in Europa.
Seine Einschätzungen sind stark durch seine eigenen Erfahrungen mit Nationalsozialismus, Kommunismus, politischer Verfolgung und Flucht geprägt. Gleichzeitig tritt er für Pressefreiheit und demokratische Institutionen ein.
Welche Bücher hat Paul Lendvai geschrieben?
Paul Lendvai hat zahlreiche Bücher über Ungarn, Österreich und die europäische Politik veröffentlicht. Zu seinen bekannten Werken gehören:
- Der rote Balkan
- Die Ungarn
- Der Ungarnaufstand 1956
- Mein Österreich
- Mein verspieltes Land
- Orbáns Ungarn
- Die verspielte Welt
- Über die Heuchelei
- Wer bin ich? Über die Identität
Sein 2025 erschienenes Buch „Wer bin ich?“ verbindet persönliche Erinnerungen mit Fragen nach Herkunft, Identität und Zugehörigkeit. Ö1 beschreibt darin besonders seine Erfahrungen als ungarischer Jude, österreichischer Bürger, Journalist und Zeitzeuge.
Paul Lendvai heute und sein Vermächtnis
Paul Lendvai gehört zu den bekanntesten österreichischen Journalisten mit Schwerpunkt Osteuropa. Seine Karriere umfasst mehr als sieben Jahrzehnte und mehrere wichtige Phasen der europäischen Geschichte.
Auch im hohen Alter beschäftigt er sich weiter mit Politik und Zeitgeschichte. 2025 erschien sein Buch Wer bin ich?, und 2026 war er weiterhin in öffentlichen Diskussionen und ORF-Formaten präsent.
Seine besondere Bedeutung liegt in der Verbindung von persönlicher Erfahrung und journalistischer Analyse. Holocaust, Kommunismus, Flucht, Kalter Krieg und der politische Wandel Europas sind für Lendvai nicht nur historische Themen, sondern Ereignisse, die sein eigenes Leben geprägt haben.
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Häufig gestellte Fragen zu Paul Lendvai
Wer ist Paul Lendvai?
Paul Lendvai ist ein österreichischer Journalist, Publizist und Autor ungarischer Herkunft. Bekannt wurde er vor allem als Experte für Mittel- und Osteuropa sowie durch seine Arbeit für die Financial Times und den ORF.
Wie alt ist Paul Lendvai?
Paul Lendvai wurde am 24. August 1929 geboren. Im September 2026 ist er 97 Jahre alt.
Warum kam Paul Lendvai nach Österreich?
Lendvai verließ Ungarn nach dem gescheiterten Volksaufstand von 1956. Seit 1957 lebt er in Österreich und erhielt 1959 die österreichische Staatsbürgerschaft.
Welche Bücher schrieb Paul Lendvai?
Zu seinen bekannten Büchern gehören Die Ungarn, Der Ungarnaufstand 1956, Mein Österreich, Orbáns Ungarn, Über die Heuchelei und Wer bin ich? Über die Identität.
Arbeitet Paul Lendvai noch für den ORF?
Seine regelmäßige Tätigkeit beim „Europastudio“ endete im April 2024. Der ORF erklärte damals jedoch, dass Paul Lendvai dem Publikum weiterhin als Osteuropa-Experte in aktuellen Sendungen erhalten bleibt.